La Germania e l'avvento dell'Orientalismo: L'Indologia in terra tedesca

Levatino, Antonina

This is the latest version of this item.

[img]
Preview
PDF, Italian
Terms of use / Nutzungsbedingungen

Download (736kB)
For citations of this document, please do not use the address displayed in the URL prompt of the browser. Instead, please cite with one of the following:

Abstract

In der deutschen Kulturgeschichte begründet der Orientalismus einen Forschungsbereich von bemerkenswerter Bedeutung, sowohl wegen seines Beitrages an interessanten Thematiken und Interpretationsvorschlägen, die der Osten der deutschen Kultur anbieten konnte und die ihr ein "anderes" Gedankensystem eröffneten, als auch wegen der genaueren Kenntnis einiger Gesichtspunkte deutscher Kultur, die erst nach der Gegenüberstellung offenkundig werden. Der Ausdruck „Orientalismus“, heute werden ihm spezifischere Ausdrücke wie „Östliches Erlernen“ oder „Area Studies“ vorgezogen, kann in der zweifachen Bedeutung von wissenschaftlichem Lernen und Sympathie und Begeisterung für die östlichen Kulturen verstanden werden. Raymond Schwab hat diese Doppelbedeutung des Wortes gut erfasst, als er es in seinem Buch "La Renaissance Orientale" (Paris 1950) als "laienhafte und berufliche Begeisterung für alles Asiatische" bestimmt hat. Schwab verglich diese Begeisterung, wie aus dem Titel seines Werks hervorgeht, mit dem großen Interesse für griechisches und römisches Altertum, das zu Beginn der Renaissance Europa erobert hatte. Diese neue "Orientalische Renaissance" erfasste jedoch ab dem Ende des 18. Jahrhunderts ganz Europa und besonders Deutschland. Die Begeisterung für indische Sprache und Kultur setzte ein, nachdem William Jones die "Verwandtschaft" zwischen Sanskrit und Latein und Griechisch angenommen und diese auch für Keltisch und Gotisch vorausgesetzt hat. Die Behauptung Jones fiel in eine günstige Zeit: was er sagte, konnte nämlich das für die Romantiker typische Verlangen nach der Kenntnis des Ursprungs befriedigen. Die Romantiker Jenas fingen also an, Indien und den Osten zum Mythus zu erheben und viele wichtige sprachwissenschaftliche und philologische Studien durchzuführen. Deutschland, wie der ganze Westen allgemein, betrachtete sein Spiegelbild im Osten, um dort den eigenen fehlenden Teil, die eigene Komplementarität zu finden. Die deutschen Romantiker schauten nämlich mit träumerischem Blick nach Indien, um ihre gegenwärtige Lage zu kritisieren. Indien war für sie ihre eigene unverdorbene Vergangenheit und die angenommene Verwandtschaft zwischen Sanskrit und den europäischen Sprachen wurde greifbarer Beweis solcher Vermutung, weil viele Sprachwissenschaftler am Anfang die These des gemeinsamen Ursprungs allen Sprachen von Sanskrit aufgestellt hatten. Deutsche Forscher sowie die zwei Brüder Schlegel, F. Bopp, W. von Humboldt, R. Rask, J. Grimm und A. Schleicher, waren die wichtigsten Wissenschaftler, die vertiefte und gewissenhafte Untersuchungen einleiteten. Diese brachten mit der Zeit die geschichtlich-komparative Sprachwissenschaft hervor, sowie die Vermutung der indo-germanischen sprachwissenschaftlichen Einheit und den Wiederaufbau der Ursprache, aus der die Sprachen der indogermanischen „Familie“ entstanden sein sollten. Der Orientalismus hatte auch auf die deutschen Philosophen des 19. Jahrhunderts einen sehr wichtigen Einfluss. In dieser Hinsicht sind besonders Hegel, Schelling und Schopenhauer interessant. Sie erläutern, wie die Beziehung zwischen der westlichen Welt und dem "Osten" ambivalent und manchmal auch widerspruchvoll gewesen ist. Ebenso interessant ist auch die Begegnung Nietzsches mit den indischen Gedanken, weil auch er von der indischen Weisheit schöpfte und in ihr gültige Ausgangspunkte für seine philosophische Denktätigkeit fand. Die Beziehung zwischen dem Orientalismus und der deutschen Kultur wurde aber auch durch die gefährlichen Folgen des Gebrauchs und des Missbrauchs des Orientalismus und der philologischen Lehren (so wie der germanischen Mythologie) charakterisiert. Darauf kann der Entwicklungsprozess des deutschen Nationalgefühls und die sich widersprechenden Prozesse der graduellen Ausbildung des Dritten Reiches zurückgeführt werden, die mit der Zeit zu jenen abenteuerlichen Konstellationen führten, die bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs das Schicksal Deutschlands und ganz Europas in tragischer Weise mitbestimmten.

Document type: Master thesis
Date: 2013
Version: Primary publication
Date Deposited: 6 May 2013
Faculties / Institutes: Universitäten / Institute > Università degli Studi di Palermo / Facoltà di Lettere e Filosofia
DDC-classification: General history of Asia Far East
Controlled Subjects: Deutschland, Orientalismus, Geschichte
Uncontrolled Keywords: Deutschland, Indologie, Orientalismus ; Germany, Indology, Orientalism
Subject (classification): History and Archaeology
Countries/Regions: other countries

Available Versions of this Item